Krawattenschal

Warum die Krawattenschals noch lange nicht aussterben

Es gibt Dinge, die waren schon immer gut. Und gerade deshalb hätte man nie gedacht, dass sie einmal zum aktuellen Trend werden. Der Krawattenschal ist so ein Artikel. In zahlreichen Filmen hämmerten uns Generationen von Hollywood-Schauspielern ein, dass Krawattenschals nur etwas für alternde Playboys und dekadente Millionäre seien. Höchstens die oberen zehntausend trügen Krawattenschal. Gerne wurden auch Gangsterbosse so dargestellt: im dicken Ledersessel mehr liegend als sitzend, im seidenen Morgenmantel mit Krawattenschal, genüsslich an einer kubanischen Zigarre saugend. Doch dieses Klischee wird dem Krawattenschal nicht gerecht.

Die Herkunft der Krawattenschals ist eigentlich ausgesprochen praktischer Natur. Die große Zeit dieses Accessoires kam mit dem Auftauchen des Automobils. Wenn der Fahrtwind in der Kehle brannte, wollte man seinen Hals schützen. Und das möglichst nicht mit einem unförmigen Ungetüm von Winterschal, sondern mit etwas, das eleganter wirkte. Mit einem Krawattenschal eben. Da das eigene Automobil zudem ein Symbol für Wohlstand war, verbreitete sich die Mode des Krawattenschals rasend schnell auch unter nichtmotorisierten Zeitgenossen. Ursprünglich war ein Krawattenschal einfach ein längliches, symmetrisches Tuch, das mit einer Art Four-in-Hand-Knoten um den Hals gebunden wurde und dann im Hemdkragen verschwand.

Nach und nach näherte sich der Schnitt des Krawattenschals schließlich dem des Plastrons an, jener hochfestlichen Schalkrawatte, die jahrzehntelang zum Cutaway der einzig akzeptable Halsschmuck war. An den Enden etwas breiter geschnitten, lief die neue Form an den Seiten spitz zu. Anders als das Plastron, das eigentlich nur unter Zuhilfenahme einer Krawattennadel sinnvoll zu drapieren war, konnte man einen Ascot ohne Probleme binden.

Eigenartigerweise war eine weitere Szene, in der sich der Krawattenschal großer Beliebtheit erfreute, die studentische. Burschenschaften griffen das Kleidungsstück begierig auf. Wahrscheinlich, um mit dem eher lässigen Krawattenschal dem allgemeinen Krawattenzwang zu entgehen. An deren teils eigenwilligem Tragendes Krawattenschals sollte man sich allerdings nicht unbedingt ein Beispiel nehmen. Oft war das Hemd bis zum Bauchnabel offen, damit man den Krawattenschal sah.

Nachdem der klassische Krawattenschal leider – nicht zuletzt eingangs erwähnter Hollywood-Streifen – ein wenig den Ruf des Dandyhaften bekam, trugen eine Zeit lang nur noch ältere Herrschaften Krawattenschals. Und doch: der Krawattenschal ist zurück.

Nicht die alten Krawattenschals im Ascot-Schnitt sind es, die heutzutage wieder schwer im Trend liegen. Der Krawattenschal nähert sich wieder seinen Ursprüngen an. Leichte, klassisch rechteckige Krawattenschals werden unbekümmert auch zum T-Shirt getragen. Auch kann der Krawattenschal schon mal im Kragen eines V-Necks verschwinden. Aus dem dandyhaften Halsschmuck ist ein trendiges Modeaccessoire geworden.

Doch auch der Krawattenschal nach Ascot-Art ist wieder im Aufwind. In einer Zeit, in der in den Büros nach und nach die obligatorischen Krawatten verschwinden, schreien offene Hemdkragen geradezu nach Krawattenschals. Früher oder später wird der Krawattenschal anerkannter teil der Businessgarderobe sein.

Krawattenschals in Ascot-Form werden heute übrigens nur selten klassisch geschnitten. Meist besteht der Krawattenschal nur noch aus einer zulaufenden Seite und hat am anderen Ende eine Schlaufe. Das vereinfacht das Binden enorm.

 

Krawatten Onlineshops